Kirche im Handgepäck

Nicht nur die Location ist beliebig, schier grenzenlos scheinen auch die Einsatzmöglichkeiten: Mit einer Kirche zum Aufblasen will ein Unternehmer aus dem Münsterland das Gebet zum besonderen Event machen. Bleibt zu hoffen, dass hier nicht die Puste ausgeht.  Von Harald Biskup.

Köln – Es klingt wie ein Aprilscherz im November, aber es ist die pure Wahrheit: Ab sofort steht sie zur Verfügung – die aufblasbare Kirche im XXL-Format. „Endlich“, wie der geschäftstüchtige Anbieter betont, als hätten wir dieses Accessoire der Event-Kultur bisher wirklich vermisst. Das Kunststoff-Gebilde ist zwölf Meter hoch, wird optisch beherrscht von so etwas wie einem Kirchturm (einschließlich Kreuz!), und der „freitragende Innenraum“ misst 18 mal sieben Meter.

Genug Platz also für 50 Beter oder multifunktionale Nutzer dieses multifunktionalen Etwas. Der Begriff Gotteshaus – da sind die Leute von aufblasbare-kirche.de dann doch irgendwie altmodisch sensibel – taucht in dem Angebot übrigens gar nicht auf.

Immerhin firmiert bei den „1001 Möglichkeiten, wie man das mobile Kapellchen nutzen könnte, „Gottesdienst“ auf Position eins. Beim nächsten Schützenfest zum Beispiel, auf dem Campingplatz oder „um die zweite Hochzeit ganz besonders zu erleben“. Und was ist mit der ersten? Nicht nur die Location ist beliebig, schier grenzenlos scheinen auch die Einsatzmöglichkeiten. Wie wäre es mit der nächsten Modenschau in pseudo-sakralem Ambiente? Die Niederländer haben uns ja schon vorgemacht, wie perfekt eine Dessous-Show in einer überflüssig gewordenen ehrwürdigen Utrechter Kirche rüberkommt. Während auch bei uns landauf, landab Gotteshäuser leer stehen und einer mehr oder weniger pietätvollen Verwendung harren, beschreiten die Protagonisten des bewusst auf Endlichkeit angelegten Provisoriums den umgekehrten Weg. Der ist übrigens keineswegs so innovativ und raffiniert, wie uns ihr Schöpfer aus dem münsterländischen Vreden glauben machen will.

Das Bistum Essen hat schon 2008 für 30000 Euro so eine an Kinderhüpfburgen gemahnende mobile Andachtsstätte erworben, und ein evangelischer Pastor bringt seine Kirche sozusagen im Handgepäck mit, wenn er als Drachenflieger Norderney ansteuert. Für flächendeckenden Einsatz brauchen die Westfalen viel Puste, und aus manchen Erfindungen ist die Luft schon raus, ehe sie sich so richtig entfalten konnten.

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